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Einfach sparen mit dem 4 Kontenmodell

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Vor dem erfolgreichen Investieren steht die Erzielung von Einnahmeüberschüssen. Nur was wir verdient haben und nicht ausgegeben haben können wir später in Anlagen wie Aktien, Fonds, Bausparverträge, Festzins-Produkte oder Immobilien investieren, um nur einige Anlageformen zu nennen. Hierbei hilft das 4 Kontenmodell. Was sich nun möglicherweise wie ein weiterer Beitrag zum Thema Frugalität anhört, soll sich aber nicht mit diesem Thema beschäftigen, So wenig Geld wie möglich auszugeben, sich so wenig wie möglich zu leisten, so spartanisch wie möglich zu Leben, um so früh wie möglich genügend Geld gespart zu haben um ab dann unabhängig von Einkommen durch Arbeit leben zu können ist nicht mein Thema. Frugales Leben, auch wenn ich als Schwabe vielleicht zweimal über mögliche Ausgaben nachdenke, halte ich persönlich nicht für erstrebenswert.

Am Anfang steht die Bestandsaufnahme

Zu Beginn sollte man sich die Mühe machen sein verfügbares Einkommen zu ermitteln. Das verfügbare Einkommen von Privathaushalten definiert sich als der Teil der für den privaten Konsum und private Ersparnisse zur Verfügung steht. Ich für meinen Teil habe dies wie folgt gehandhabt. Lohnabrechnung des letzten Monats vorgenommen und geschaut welcher Betrag am Ende überwiesen wird. Jeder von uns wird wohl relativ genau aus dem Kopf wissen wie hoch sein Netto-Gehalt ist. Hiervon sind dann auch schon die ersten Transferleistungen in die Sozialsysteme abgezogen.

Im nächsten Schritt habe ich die weiteren laufenden Nebenkosten wie Miete/Hausgeld, Versicherungen, Kfz-Steuer, Stromkosten, Telefonverträge abgezogen um die laufenden nur schwer zu beeinflussenden Ausgaben zu ermitteln.

Im nächsten Schritt habe ich die weiteren laufenden Ausgaben wie den monatlichen Beitrag für das Fitnessstudio, Kosten für Benzin, aber auch Kosten für Nahrungsmittel und Freizeitaktivitäten ermittelt und abgezogen. Da hier ein Monat nicht übermäßig aussagekräftig ist, habe ich hier die Möglichkeiten der modernen Technik meiner Bank (Consorsbank) genutzt und die Buchungen meines Girokontos für ein ganzen Jahr heruntergeladen und in einer Excel-Tabelle grob aufgegliedert.

Der Betrag der nun unter dem Strich übrig bleibt ist mein verfügbares Einkommen für Investitionen.

Freies Einkommen für Investitionen

Mir ist bewusst, dass ich hier keine revolutionären Erkenntnisse beschreibe, denke aber dass es durchaus hilft sich diese nochmals ins Bewusstsein zu rufen. Das freie Einkommen für Investitionen beschreibt den Teil des Gehalts der übrig bleibt nachdem wir einen durchschnittlichen Monat gelebt haben. Er beinhaltet nicht die Ausgaben für Kleidung, Urlaub, Neuanschaffung von einem defekten Kühlschrank, neuem Sofa oder eines Automobils seiner Wahl.

Je nach persönlichem Lebenswandel ist es daher erforderlich sich Gedanken darüber zu machen wie viel Geld man über ein Jahr für diese Dinge ausgibt, bzw. auszugeben gedenkt. In keinem Fall sollte also dieser Betrag einfach komplett in Aktien investiert werden oder in Festgeld angelegt werden.

Es ist also erforderlich, dass man dieses freie Einkommen für Investitionen ein weiteres Mal aufteilt.

Geld-Management mit dem 4 Kontenmodell

1. Das Girokonto

Das Girokonto ist natürlich unverzichtbarer Teil unseres Lebens und wenn wir es schon haben, können wir es auch nutzen. Im 4 Kontenmodell dient das Girokonto als Schaltzentrale unserer Finanzen. Darüberhinaus werden von hier die Ausgaben unserer täglichen Lebens beglichen, wozu ich auch den Kauf von Kleidung, Musikalben (kauft die noch jemand außer mir?) und vieles mehr zähle. Wichtig ist es meiner Meinung hier, dass das Girokonto nicht der Ort für die Anhäufung von Reichtümern benutzt werden sollte, Geld welches nicht benötigt wird, sollte nicht auf diesem Konto belassen werden.

2. Die Cash-Reserve

Beginnen möchte ich hier mit Teil 4 meiner persönlichen Anlagestrategie. Meiner Meinung ist es absolut notwenig eine Cash-Reserve für Notfälle jeglicher Art zurückzuhalten und je nach persönlichen Erfordernissen und Risikoaversion diese in ihrer Höhe so zu wählen, dass man damit unerwartete Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, größere Renovierungen, Autokauf etc. aus dieser Cash-Reserve begleichen oder abfedern kann. Dies gibt nicht nur Sicherheit wenn es an den Finanzmärkten zu einer Krise kommt, es bewahrt einen auch davor zum Beispiel Aktien in ungünstigen Situationen verkaufen zu müssen um andere Ausgaben finanzieren zu können. Weiteres dazu kann man auch in folgendem Beitrag lesen.

3. Das Urlaub- und Freizeitkonto

Ein weiteres Konto welches ich persönlichen für sehr sinnvoll halte ist das sogenanntes Urlaub- und Freizeitkonto. Wie der Name schon sagt werden hiermit Ausgaben finanziert, die der persönlichen Belustigung dienen und nicht aus den laufenden Einnahmen bezahlt werden sollen oder können. Drei Wochen Urlaub in Asien (persönliche Vorliebe) mit der Familie werden die wenigsten Leser komplett aus den monatlichen Einnahmen bezahlen können. Etwas Planung gehört also dazu. Darüberhinaus kann man aus diesem Konto auch andere Anschaffungen und Investitionen finanzieren wie einen neuen Fernseher, ein neues Sofa, ein neues Fahrrad oder was einem auch sonst so vorschwebt.

4. Das Investmentkonto

Auf das vierte Konto fließen die monatlichen Einnahmen ab, die an den Kapitalmärkten investiert werden sollen. Hierunter fallen der Einfachheit halber ETF- und Aktiensparpläne die prinzipiell ja direkt von Girokonto abgezogen werden. Da es speziell bei Aktien keinen Sinn macht in zu kleinen Tranchen zu kaufen, solange man für Trades Verhältnismäßig hohe Gebühren bezahlt, sammelt man hier dann am besten einen größeren Betrag an, bevor dieser wieder investiert wird. Auch eignet sich das Investmentkonto hervorragend Erspartes zu parken, bis sich ein neues lohnendes Investment auftut oder der Preis einer Aktie sich auf das gewünschte Kursniveau entwickelt hat. Da dieses für Investments reservierte Geld sich nicht mehr auf unserem Girokonto befindet, oder auf dem Urlaub- und Freizeitkonto, benötigen wir weniger Disziplin dieses nicht auszugeben und haben es direkt zur Verfügung wenn die Zeit für ein Investment reif ist.

Definiere Beträge für das Investmentkonto und Urlaub- und Freizeitkonto

Für unser Girokonto sollten wir einen Mindestbetrag definieren, welchen wir vor dem nächsten Gehaltseingang auf dem Girokonto belassen möchten. Ich persönlich überweise ca. eine Woche vor Monatsende alles über einem bestimmten Betrag auf das Investmentkonto. Bevor ich meine Cash-Reserve aufgefüllt hatte, gingen alle Überschüsse auf dieses Konto.

Unsere Cash-Reserve, das Schlechtwetterkonto unseres 4 Kontenmodells, sollte mindestens mit 3 Nettogehältern aufgefüllt werden. Ich persönlich empfinde diesen Betrag zu niedrig und habe mir daher einen größeren Betrag von 6 netto Monatsgehältern gewählt. Das Auffüllen dieser Cash-Reserve sollte die oberste Priorität in unserem Sparverhalten genießen, wie schnell wir diese nun füllen, liegt in der jeweiligen Risikoaversion.

Speziell beim Urlaub- und Freizeitkonto ist es notwendig darüber nachzudenken welchen Zielbetrag man hier erreichen möchte, bzw. wann welche Geldbeträge zur Verfügung stehen sollen. Dies gibt einem ein Gefühl dafür, wie viel unseres freien Einkommens wir pro Monat auf dieses Konto überweisen müssen. Es ist prinzipiell nicht notwenig den definierten Betrag für die ganze Zeit auf diesem Konto zu halten, da gewöhnlicher weise nicht alle Ausgaben zum gleichen Zeitpunkt fällig werden, es empfiehlt sich aber hier einen guten Grundstock vorzuhalten.

Bei unserem Investmentkonto sollten wir wenn möglich mindestens 10-15% des Nettogehalts pro Monat einzahlen um unseren privaten Teil der Altersvorsorge abdecken zu können. Je nachdem wie hoch das Einkommen ist und das persönliche Ausgabeverhalten, kann dieser Betrag beliebig erhöht werden.

Daueraufträge einrichten, so viel wie möglich automatisieren

Um dies alles möglichst einfach zu gestalten richten wir uns mit den nun definierten Beträgen Daueraufträge zu unseren 3 Konten ein.

Was dann übrig bleibt, steht uns zur Verfügung im aktuellen Monat auszugeben, oder eben auch nicht. Auf jeden Fall ist es nicht so, dass ich nun krampfhaft versuche so wenig Geld wie möglich auszugeben, allerdings tendiere ich generell eher dazu bei größeren Investitionen zweimal darüber nachzudenken ob ich das wirklich benötige. Impulskäufe sind nicht so meins.

Um zu verhindern, dass nicht konsumiertes Einkommen den Betrag auf unserem Girokonto langsam immer weiter erhöht, sollten wir auch hier zu einem definierten Zeitpunkt im Monat wenn möglich einen Dauerauftrag einrichten. Bei manchen Banken gibt es die Möglichkeit eines variablen Dauerauftrags, mit einem fest definierten Betrag der auf dem Girokonto verbleiben soll, so dass zum Beispiel bei einem definierten verbleibenden Betrag von 500 Euro alles darüber per Dauerauftrag zum Zeitpunkt X zu einem der anderen 3 Konten überwiesen wird. Wenn dies nicht möglich ist, wie es bei meiner Bank auch der Fall ist, empfehle ich dies manuell an einem bestimmten Tag zu erledigen.

So stellen wir sicher, dass auf dem Girokonto sich keine Reichtümer ansammeln, die dort dann unverzinst ihr Dasein fristen. Auch wenn das Thema Zinsen aktuell eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Zusammenfassung

Wichtig ist wie geschrieben sich zuerst einen Überblick über das freie Einkommen zu machen. Wer möchte kann hier so tief wie ihm beliebt in die Analyse seiner Ausgaben gehen, es reicht aber einen groben Überblick zu bekommen um abschätzen zu können, was die eigenen finanziellen Spielräume sind.

Das 4 Kontenmodell hilft durch seine Einfachheit und die Möglichkeit der Automatisierung dabei das Sparen so einfach wie möglich zu machen, so dass man sich im weiteren keinen Kopf mehr machen muss. Wer allerdings die Lust oder Notwendigkeit verspürt ein 5. oder 6. Konto für eine genauere Aufteilung anzulegen, kann das 4 Kontenmodell auch jederzeit erweitern.

Und ganz wichtig, sich nicht zu sehr einschränken. Wenn wir uns zu sehr gängeln nehmen wir uns den Spaß am Leben, rauben uns Lebensqualität, und das ist das Letzte was wir erreichen wollen.

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