Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Coronavirus Pandemie, globale Krise

0

Zuletzt aktualisiert am 8. Juni 2020

Die meisten Anleger werden in den letzten Wochen mit ihrer Fassung gerungen haben als sie in ihr Depot geschaut haben und mit ansehen mussten wie die Kursgewinne der letzten Jahre sich in Luft aufgelöst haben. Kein schöner Anblick. Das Coronavirus hält die Welt in Atem.

Das Coronavirus und seine Auswirkungen

Aber auch und vor allem ist diese aktuelle Krise um das Coronavirus ein enormer Belastungstest für unser Gesundheitswesen und unser Sozialsystem. Viele von uns werden in den letzten Tagen über Kurzarbeit in ihrem Unternehmen informiert worden sein, sich im Home Office befinden oder in menschenleeren Büros ihrer Arbeit nachgehen.

Die Auswirkungen sind für uns alle spürbar, sei es bei der Arbeit, beim Einkaufen (nein ich werde nichts über Klopapier schreiben) oder bei dem fast zum erliegen gekommenem Sozialleben. Alles was für uns bis Mitte Februar noch vollkommen selbstverständlich war, ist nun merklich zum Luxus geworden.

Ein Besuch im Kino, sich Abends mit Freunden treffen, mit den Kindern zum Spielplatz gehen, kurz für ein Wochenende nach Mailand oder Madrid fliegen, Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff oder in Griechenland, …

Die Liste kann jeder nach belieben fortsetzen, sie wird fast unendlich lang werden. Die Welt wie wir sie kannten gibt es gerade nicht mehr. Trotzdem möchte ich davon absehen von Zuständen wie im Krieg zu schreiben, denn dies ist kein Krieg, im Krieg würden wir nicht dazu aufgefordert werden zuhause zu bleiben, im Krieg würden wir nicht jeden Abend die neuesten Zahlen über Infizierte und Verstorbene in den Nachrichten hören, schon gar nicht von überall auf der Welt. Was wir erleben ist ein Ausnahmezustand unseres Lebens, unserer Wirtschaft. Wir tun dies um die Gesundheitssysteme mit den Infizierten des Coronavirus nicht zu überfordern, bzw. diese Überforderung die es in manchen Regionen bereits gibt, soweit wie es nur irgendwie möglich ist zu begrenzen.

Was wir erleben ist ein beispielloser Akt der kollektiven Anstrengung die Schwächsten und gesundheitlich Verwundbarsten vor dem Coronavirus zu schützen in die Intensivstationen unserer Länder eingeliefert zu werden und einen Kampf gegen eine Krankheit zu führen gegen die es kein Medikament und keine Impfung zum aktuellen Zeitpunkt gibt.

Es gibt einige Stimmen die versuchen diese Coronavirus Pandemie ins Verhältnis zu anderen Krisen der Vergangenheit zu setzen. So hört man von 9/11, 2008 Finanzkrise oder aus den USA auch von Pearl Harbour. Meiner Meinung passen diese Vergleiche nicht, ich finde sie auch unpassend.

Vor dieser Realität erscheint es kleingeistig über Kapitalbildung und Aktien zu schreiben. Doch die Welt dreht sich weiter und ich bin davon überzeugt, dass wir diese Krise überstehen werden, wenn auch nicht ohne Opfer, deren Anzahl hoffentlich so niedrig wie nur irgendwie möglich bleiben wird.

Was nun tun mit meinem Depot?

Ich habe lange überlegt und viel gelesen, viele Beitrage auf Youtube angesehen und die öffentlichen Medien verfolgt. Meine grundsätzliche Überzeugung, dass es sinnvoll und richtig ist, sich an Unternehmen zu beteiligen um an ihrem Erfolg zu partizipieren bleibt bestehen.

Die Frage die sich stellt ist viel mehr, wann stocke ich bestehende Beteiligungen auf, wann stoße ich Beteiligungen ab, wann ist der richtige Zeitpunkt sich an weiteren Unternehmen zu beteiligen und in welche Branchen sollte man jetzt investieren.

Auch wenn ich noch nicht abschließend zu einem Entschluss gekommen ist kann ich auf jeden Fall schon einige Dinge für mich beantworten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zu kaufen?

Keinem wird es gelingen am Tiefpunkt zu kaufen, dieser Illusion gebe ich mich nicht hin. Es kann sein, dass die Märkte sich um die aktuellen Stände der Indizes schon gefestigt haben. Während ich diese Zielen schreibe steht der Dax beim 10050 Punkte, liegt über 5% im plus. Es ist aber noch lange nicht gesagt, dass es nicht wieder runtergehen könnte bis auf die Tiefstände von März, als der Dax bei knapp unter 8500 Punkte gefallen ist.

Es ist auch möglich, dass es noch weiter runter geht und wir gerade nur eine kleine zwischenzeitliche Erholung sehen. Die wirklich schlechten Nachrichten aus den Quartalszahlen der Unternehmen kommen erst noch. Die Arbeitslosenzahlen in den USA und Europa werden mit ziemlicher Sicherheit noch weiter steigen.

Deshalb werde ich meine aktuellen Beteiligungen genau beobachten und in kleinen Tranchen nachkaufen um genügend Geld auf der Seite zu haben sollte es noch tiefer gehen.

In welche Unternehmen sollte ich jetzt investieren?

Da sehr vielen Unternehmen die Einnahmen sehr stark weggebrochen sind gehe ich davon aus, dass es trotz staatlicher Hilfen einige Aktiengesellschaften, auch sehr große, nicht durch die Krise schaffen werden. Jetzt ist Cash König, Hohe Verschuldung äußerst ungünstig. Deshalb werde ich mein Portfolio in den nächsten Tagen unter dem Blockwinkel der Schuldentragfähigkeit analysieren und evtl. auch Aktien verkaufen die tief im Minus sind. Aktien die ich kaufe, sollten von Unternehmen sein, die wenig Verbindlichkeiten haben und deren Geschäftsmodell eine baldige Besserung verspricht.

Was man aktuell eher nicht tun sollte, wenn man nicht wirklich sehr spekulativ unterwegs ist, Aktien von Kreuzfahrtunternehmen zu kaufen. Carnival und RCL werden noch länger die Auswirkungen der Pandemie spüren und haben zudem noch das Problem, dass sie in Panama und Liberia ihre steuerlich relevanten Firmensitze haben. Hilfe vom amerikanischen Staat scheinen hier äußerst unwahrscheinlich, und dass Panama und Liberia helfend einspringen kann bezweifelt werden.

Alles was mit Tourismus zusammenhängt ist aktuell ein gefährliches Investment, die Automobilbranche ist ist auch keine sonderlich sichere Wette, auch wenn diese Einschätzung schon vor Corona sicherlich so ihre Richtigkeit gehabt hat.

Da mein Portfolio im Bereich Nahrungsmittel, Hygieneprodukte und Medizintechnik bzw. Gesundheitsversorgung nicht gerade breit aufgestellt ist und diese Branchen bei mir eher unterrepräsentiert sind, werde ich in diesen Bereichen am Wahrscheinlichsten aktiv werden und neue Unternehmen in mein Deport aufnehmen.

Kennzahlen sind gefährlich!

Wer bis jetzt seine Investments nach KGV, Dividendenrendite, EPS etc bewertet hat, muss nun sehr vorsichtig sein. Diese Kennzahlen haben keinen Wert mehr. Wenigstens nicht in der aktuellen Situation. Viele Unternehmen werden die Dividende reduzieren oder ganz streichen müssen. Sollten Konzerne Staatshilfen beantragen gehe ich davon aus, dass sie erstmal keine Dividende mehr ausschütten werden. Ich als Staat würde diesen Riegel auf jeden Fall vorschieben.

KGV: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bezieht sich auf die Vergangenheit, wir können uns ausmalen, dass der Gewinn massiv fallen wird. Je nachdem wie die Pandemie in den einzelnen Ländern verläuft, kann das nur ein kurzer Dämpfer sein, oder ein längerer. Das ist schwer abzuschätzen. Deswegen werde ich das KGV nur noch über einen sehr langen Zeitraum betrachten um grundsätzich evaluieren zu können ob das Unternehmen vernünftig bewertet ist.

EPS: Earnings per Share oder Gewinn pro Aktie hat ein ähnliches Problem. Der Wert bezieht sich auf die letzten bilanzierten Ergebnisse, bei sehr vielen Unternehmen wird im nächsten Quartal und damit auch im Gesamtjahr der Gewinn zurückgehen. Sollte es zu Staatshilfen kommen, wird dies evtl. über die Ausgabe von neuen Anteilen abgesichert, dies würde den Gewinn pro Aktie weiter drücken.

Dazu kommt beim EPS, dass dieser in der Vergangenheit von vielen Unternehmen manipuliert worden ist in dem man Aktien zurückgekauft hat und damit die Anzahl der Aktien reduziert hat, womit bei gleichbleibenden Gewinnen die Kennzahl steigt. Sieht dann nach kontinuierlichem Wachstum aus, ist es aber unter Umständen überhaupt nicht.

Dividendenrendite: Macht ein Unternehmen weniger oder gar keinen Gewinn, besteht die Möglichkeit, dass die Dividende gekürzt wird. Da die üblicherweise angegebene Dividendenrendite auf vergangenen bezahlten Dividenden ermittelt wird, kommt es auch hier zu starken Verwerfungen. Wie lange es dauert, bis Unternehmen wieder die alten Dividenden zahlen ist schwer einschätzbar, evtl. wird dies bei manchen potenziellen Kandidaten die aktuell eine sehr hohe Dividendenrendite haben würden, wenn denn die Dividende gleich bleiben würde, nie der Fall sein.

Schlusswort

Soweit meine Gedanken, ich werde die nächsten Tage dazu nutzen mir intensiv Gedanken zu machen wie meine Kriterien genau definiert werden sollen, nach denen ich meine Entscheidungen treffen werde.

Vermögen werden in der Krise gemacht, ein bekanntes Sprichwort das wir alle kennen. Nur ist es wie immer nicht so einfach wie es sich anhört.

Ich hoffe, dass alle die diese Zeilen lesen gesund sind, ihre Lieben gesund sind und diese Krise langsam aber stetig ihrem Ende entgegen geht. Aber auf Normalität wie wir sie alle bis jetzt gekannt haben, werden wir , so befürchte ich, noch länger verzichten müssen.

Machen wir das Beste daraus!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Bitte stimme vor dem Kommentieren den Datenschutzbedinungen zu