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Rückblick Depotentwicklung 2020

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Am Ende des Jahres ist es Zeit auf die Entwicklung meines Depots im Jahr 2020 zurückzublicken.

Coronavirus-Crash

Als Ende Februar die Coronavirus-Pandemie die Börsen zum Einbrechen brachte, ein Crash der in Rekordzeit seinen Tiefpunkt Mitte März erreichte, war es fast unmöglich einen kühlen Kopf zu bewahren. Zum einen geschockt und gelähmt von den abstürzenden Kursen, zum anderen immer im Hinterkopf behaltend nicht kopflos alle Aktien abzustoßen, habe ich in dieser Zeit keine Aktien verkauft. In der Spitze verlor mein Depot in 2020 ca. 27% an Wert. Dies ist definitiv ein Plus in diesem Jahr, ich habe in einer schwierigen Zeit, trotz aufsteigender Panik. nicht den Kopf verloren und bin meiner Buy-and-Hold Strategie treu geblieben.

Meine Depot-Performance 2020

Eine Fehleinschätzung habe ich allerdings im weiteren Verlauf trotzdem gemacht. Ich bin davon ausgegangen, dass der erste Absturz gefolgt von einem enorm steilen Erholung, in einem weiteren Absturz der Märkte resultieren würde. Dies hat mich davon abgehalten in die steigenden Kurse hinein, meine Aktienanteile bei schon bestehenden Beteiligungen zu erhöhen oder Aktien von Unternehmen wie Microsoft zu günstigen Kursen einzusammeln.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass ich in den Crash mit nahezu 100% Aktienquote hingelaufen bin. Nach meinem im Blog beschriebenen 4-Kontenmodell hatte ich natürlich die eiserne Reserve und ein „Urlaubskonto“, aber diese löst man nicht in einer Krise auf. So war ich in meinen Investitionsmöglichkeiten auch begrenzt, etwas das sich rückblickend nicht als Vorteil erweisen hat.

Was ich aus dieser Krise (nach aktuellem Stand) gelernt habe ist, dass es wichtig ist ab einem bestimmten Absturz der Märkte seine Anteile an bestehenden Investments und Investments auf der Watchlist aufzustocken, auch wenn man denkt, dass die Märkte noch weiter fallen könnten, oder ein weiterer Absturz nach kurzer Erholung folgenden könnte. Man muss die Chancen nutzen wenn sie da sind und nicht auf noch bessere Chancen hoffen und warten. Dazu, es ist wichtig und notwendig jederzeit auf einen solchen Crash vorbereitet zu sein und genügend Liquidität vorzuhalten mit der man solchen Chancen nutzen kann.

Meine Verlierer 2020

Wirecard

Beginnen wir mit Wirecard und der Feststellung, dass man es hätte kommen sehen können, dass man aber am Ende genauso blöd war wie viele anderen Anleger, die sich nicht vorstellen konnten, dass ein deutscher DAX Konzern dermaßen konsequent seine Bilanzen fälschen würde. Wer dazu mehr lesen möchte, den Verweise ich auf meinen Wirecard Beitrag. 75% meines Einsatzes hatte ich dieses Jahr mit Wirecard verloren, auch wenn der Depotanteil übersichtlich war, Kapital das man zuerst verdienen muss und das man besser nicht verliert.

Gazprom

Aktuell liegt mein Investment mit ungefähr 30% im Minus. Gebeutelt vom Crash an den Rohstoffmärkten ging es zuerst steil Berg ab. Darüberhinaus haben die Querelen um US-amerikanische Sanktionen gegen alle Projektbeteiligten nicht geholfen den Aktienkurs wieder in die Höhe zu treiben. Nordstream 2 bleibt auch in 2021 der größte Malus im Bezug auf Gazprom. Dies wird sich auch mit einem neuen Präsidenten Joe Biden nicht ändern, da sich Republikaner und Demokraten in der USA in Bezug auf Gaslieferungen aus Russland für Deutschland und Europa schon seit Jahrzehnten einig sind. Trotzdem habe ich an Gazprom festgehalten, da ich zum einen erwarte, dass sie weiterhin gute Dividenden bezahlen werden können, und zum anderen vom Geschäft mit China über die Power of Siberia Pipeline profitieren werden.

Mowi

Die Anteile von Mowi ASA haben sich im aktuellen Jahr um 23% im Wert verringert. Wider erwarten wurde der Lachszüchter von der Corona-Pandemie härter getroffen wie erwartet und musste die Dividende streichen. Zeitweise war der Absatz nach Asien ein größeres Problem, auch das Wegbrechen der Restaurants hatten negative Auswirkungen auf das Unternehmen. Mittel- und Langfristig erwarte ich aber eine Erholung des Geschäfts und habe meinen Anteil an Mowi auf die von mir gesetzte maximale Höhe eines Einzelinvestments erhöht.

Delek Group und International Consolidated Airline Group

Investitionen und Spekulationen müssen genau differenziert werden und diese Differenzierung muss sich in einem dafür passenden Risikomanagement widerspiegeln.

Mein Investment in die Delek Group hat sich als massiver Rohrkrepierer herausgestellt. Der Investment-Case war so brillant wie simpel, die Delek Group hatte im Mittelmeer ein Gasfeld Leviathan entdeckt und im Laufe des Jahres 2019 bis zum Förderung vorbereitet. Die Idee war, dass der israelische Konzern mit dem Beginn der Gaslieferungen an Israel und ein paar andere Staaten eine Neubewertung erfahren würde, welche den Aktienkurs deutlich steigern würde. Mit der beginnenden Krise und dem darauf folgenden Crash an den Finanz- und Rohölmärkten folgte auch der Crash der Delek Group die binnen kürzester Zeit 80% ihres Werts verloren hatte und in herbe Finanzierungsprobleme gekommen ist. Davon wurde ich komplett überrascht.

Das Investment in die International Consolidated Airline Group, die Muttergesellschaft von British Airlines und Iberia, nahm einen ähnlichen Kursverlauf. Hier war der Investments-Case, dass sich der europäische Flugverkehr zunehmend konsolidieren wird und IAG durch die konkurrenzlose Stellung an den Flughäfen Heathrow und Madrid eine dominierende Stellung im europäischen Airline-Markt einnehmen würde. Kein Wunder, die Pandemie war und ist für jede Airline eine Katastrophe, egal wie gut das Geschäft zuvor aufgestellt war. Auch hier verlor meine Investition binnen kürzester Zeit 60% ihres Wertes. Auch hier wurde ich vom Kollaps des Kurses durch die Auswirkungen der Pandemie überrascht und habe zu spät reagiert.

Welche Konsequenz, welches Learning, kann und muss ich aus diesen 2 Investments ziehen? Nun es ist einfach, wie oben schon geschrieben, Investitionen und Spekulationen müssen klar abgegrenzt sein, sie benötigen ein anderes Risikomanagement, sie benötigen klare Limits wann die Spekulation beendet werden muss, und wenn die Aktien niedrige Handelsvolumen haben, dann muss zwingend die Position kleiner gehalten werden. Im Fall von Delek Group habe ich beide Fehler gemacht, im Fall von IAG muss ich mir prinzipiell ebenfalls vorwerfen, dass die Position zu groß war und dass ich vor allem die Konsequenzen der Pandemie für die Luftfahrbranche total unterschätzt hatte.

Die Gewinner in meinem Depot

In der Spitze verlor mein Depot in 2020 27% seines Wertes. Zum Ende des Jahres habe ich in diesem Jahr eine Rendite von 14,3% erzielt, eine Rendite die sich durchaus sehen lassen kann und die höher ist als das was ich mir als Zielrendite pro Jahr im Schnitt gesetzt habe.

JD.com

Top-Performer im Depot war dieses Jahr JD.COM mit einem Wertzuwachs von knapp 119%. Dieses Investment zeigt vor allem auch wie wichtig es ist zu Investitionen zu stehen von denen man überzeugt ist. Die erste Position in JD.COM hatte im im Dezember 2017 eröffnet, im ersten Jahr hatte sich die Aktie von JD dann leider halbiert, da ich aber von der positiven Entwicklung des Unternehmens überzeugt war, hatte ich hier zu niedrigen Preisen nachgekauft bis ich auf dem maximalen Einstandswert für einen Depotwert angelangt war. In 2020 bin ich dafür mehr als belohnt worden.

Samsung SDI

Ein weiteres Highlight war die Entwicklung von Samsung SDI, mein Play für Umwälzungen im Sektor der Batteriespeicher. Samsung SDI wuchs in 2020 um 175%, leider entspricht das im gesamten nicht meiner Wertsteigerung, da ich im Laufe des Jahres weitere 2 Positionen nachgekauft hatte. Aber auch hier hatte ich eine sehr hohe Rendite in 2020.

Amazon

Als großer Gewinner der Corona-Pandemie kann sich Amazon und seine Aktionäre fühlen. Amazon ist wie gemacht für eine Welt im Ausnahmemodus mit Ausgangssperren, geschlossenem Einzelhandel, steigender Nutzung des Internets und damit seiner Dienste. Dies spiegelt sich auch im Kursverlauf des Jahres wieder. Ungefähr 62% stieg der Wert meines Anteils an Amazon.

Brenntag AG

Als Distributor für chemikalische Produkte ist die Brenntag AG für mich die große Überraschung in meinem Depot für das Jahr 2020. Über das gesamte Jahr gewann der Konzern 32% an Börsenwert und zeigte sich sehr widerstandsfähig gegenüber den Einflüssen der Pandemie. Darüberhinaus erhöhte Brenntag im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen die Dividende. Ein Umstand der mich dazu veranlasste noch einmal meinen Anteil zu erhöhen.

Fiverr

Die große Spekulation. Fiverr, ein israelisches Unternehmen das einen Online-Marktplatz für digitale Dienstleistungen anbietet war prädestiniert ein Gewinner der Umstände des Jahres zu werden. Nachdem ich das Unternehmen schon zu Beginn des Jahres auf dem Schirm hatte, war ich noch nicht überzeugt genug, dass dieses Geschäftsmodell ein ökonomischer Erfolg werden kann. Als die Pandemie ihre ganze Kraft entfaltete und die Aktie als Folge explodierte hatte ich zuerst den Kursen hinterhergeschaut und erst im Juni eine erste Position eröffnet. So habe ich nur zum Teil vom wahnsinnigen Kursanstieg profitiert, aber immer noch einen sehr guten Schnitt gemacht.

Bitcoin & Ethereum

Meine Spekulation in Krypto-Währungen hat sich seit Beginn November sehr positiv entwickelt. Zum Ende des Jahres habe ich hier 60% Wertzuwachs in meiner Bison-App zu verzeichnen. Mit einem so rasanten Anstieg von Bitcoin und Ethereum habe ich nicht gerechnet. Allerdings zeigt dies auch, dass wenigstens Bitcoin und Ethereum noch weit davon entfernt sind, wirklich eine Währung genannt zu werden und als Zahlungsmittel völlig ungeeignet sind, da niemand mit klarem Verstand bei einer so volatilen Währung eine Zahlung abwickeln würde, da die Kaufkraft von Stunde zu Stunde massiv steigen und fallen kann. Es stellt sich mir auch die Frage ob in seiner aktuellen Form Bitcoin und Ethereum als Wertspeicher analog zu Gold und Silber gesehen werden können, eben auch aus dem Grund der enormen Kursschwankungen. Aber als Spekulationsobjekt mit welchem man große Gewinne erzielen kann sind beide Kryptos aktuell sehr gut geeignet.

Fazit des Jahres 2020 aus Sicht meines Depots

Das abgelaufene Jahr lief nüchtern betrachtet für mein Depot dann doch sehr erfolgreich. Konsequent habe ich das monatliche Besparen der ETFs fortgesetzt, habe wenn möglich und die Chance da war, meine Aktien-Investments aufgestockt und nebenbei sehr viel über die Finanzmärkte und wie sie reagieren, wie sie mit Nachrichten und Zukunft umgehen gelernt.

Als Konsequenz aus der Zeit zwischen Februar und März habe ich dazu ein gegen Ende des Jahres einen Teil der Gewinne aus meinem Depot entnommen um so für die meiner Meinung anstehenden Rücksetzer an den Finanzmärkten gerüstet zu sein. Denn das ist für mich sicher, wir werden das ein oder andere Schlagloch in 2021 sehen. Zum Beispiel wenn sich die Inflation Ende des ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr massiv erhöhen wird, weil die extrem niedrigen Rohölpreise im März 2020 durch normale Rohölpreise ein Jahr später ersetzt werden.

Bleibt mir noch übrig allen Lesern meines Blogs ein schönes und gesundes Neues Jahr zu wünschen, mit viel Erfolg an den Finanzmärkten. Ich bin auf jeden Fall schon sehr auf das Börsenjahr 2021 gespannt.

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